Allgemeine Psychologie I
Denken - Stichwortkatalog/Überblick
Grundlage: W.Hussy, 1984, Denkpsychologie; Stuttgart, Kolhammer
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DENKEN ist ein miteinander agierendes System von Strukturen und Prozessen
| Methoden | Extraspektion
Introspektion |
| Abgrenzung | Gedächtnis ist Grundlage für Denken |
| John Locke | Assoziationismus
Denken verknüpft Erfahrungen bei Geburt "tabula rasa" Ideen entstehen Umwelt und Sinneseindrücke durch den Geist selbst |
| Immanuel Kant | Nativismus
angeborene Kategorien beeinflussen die Wahrnehmung |
| Empiristen (KÄW)
Berkley, Hume,Hartley |
Gesetzmäßigkeiten assoziativer Gedankenabläufe
Kontiguität Ähnlichkeit Wiederholung |
| Schottische Schule (PSL)
Mills |
Assoziationsstärke gemessen als
Permanenz - überdauernd Sicherheit - Vertrauen in die Ideenverknüpfung Leichtigkeit - Mühelosigkeit der Ideenverknüpfung |
| Leipziger Schule
Wilhelm Wundt (FAK) |
dreidimensionale Gefühlstheorie
gespannt/entspannt angenehm/unangenehm erregt/ruhig Assoziationsbegriff wird unterteilt in
|
| Titchener | strukturalisierter Ansatz
Zerlegung des Bewußtseins in kleinste Einheiten Methode: Experiment und Introspektion Unterscheidung von assoziativ verknüpften Sinneseindrücken Vorstellungen Affekten Gedanke und Wille wird unterschieden Gedanke ----->mentale Verknüpfung---> Wille Introspektion als subjektiv kritisiert Objektivierungsversuch durch "trainierte Wissenschaftler" |
| Behaviorismus
John B. Watson |
Grundlage ist nur das sichtbare Verhalten
elemetaristisch und empiristische Sichtweise nichtbeobachtbare Konzepte (Ideen,Gefühle,Introspektion) werden abgelehnt Denken ist eine Instanz motorischen Verhaltens stimulus-response-Theorie (S-R) |
| Neo-Behaviorismus | Intervenierende Variable "Organismus" (O)
S-O-R-Theorie beinhaltet auch kognitive Elemente des Menschen (Vorstellungen, Bewußtsein) |
| Würzburger Schule
Oswald Külpe |
Kritik an Strukturalismus und Behaviorismus
Denken folgt nicht immer logischen Bahnen ist nur teilweise bewußt beinhaltet nicht immer Vorstellungen Hinzunahme der Retrospektion unbewußte Determinationen steuern Denkablauf |
| Gestaltpsychologie
Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Kaffka |
Das Ergebnis von Wahrnehmungs-, Lern- und Denkprozessen
ist mehr als die Summe seiner Teile
Bsp: Melodie behält ihre Gestalt, auch, wenn diese eine Oktave höher gespielt wird. Denken resultiert und erhält seine Richtung aus einer "defekten Gestalt" Lösung durch Umwandlung in "gute Gestalt" durch Neustrukturierung des Problems Schimpansenexperiment: * außerhalb des Käfigs liegende Banane ist direkt nicht erreichbar (defekte Gestalt) * Affe benutzt Stock, um Banane zu erreichen (Einsicht in das Problem, Umstrukturierung) * Banane erreicht, Problem gelöst=gute Struktur (Gestalt) |
| Kognitive Psychologie | Informationsgewinnung
Repräsentation und Transformation von Information Speicherung Verhaltens- und Aufmerksamkeitssteuerung Entwicklungsursachen * Behaviorismus impliziert passive Rolle des Individuums * Informationstheorie mit mathematischen Systemen * Informationsverarbeitungsmodelle (Computer) |
| Informationsverarbeitung | menschlicher Organismus als offenes System
* Informationsaufnahme, - verarbeitung, - speicherung und Informationsausgabe * System aus Elementen (Speicher- & Gedächtnisstrukturen) sowie Relationen, die die Richtung des Informationsflusses angeben * offene Systeme Verbindung zu umgebenden Strukturen Input-/Output-Elemente (Sinnesorgane) * Einfach-/Mehrfachverknüpfungen * geschlossene Systeme keine Randelemente |
| T O T E - Einheit | Rückkoppelungsschleife in einem System
test - operate - test - exit Problem - Lösung - Prüfung: gelöst J/N - Ende |
| Computersimulation vs. Künstliche Intelligenz | Simulationsforschung
* Modellüberprüfung * entsprechend menschlichem Vorgehen * Berücksichtigung menschlicher Grenzen Künstliche Intelligenz * optimale Nutzung der Computermöglichkeiten (Speicher, Verarbeitungsgeschwindigkeit,Präzision) * optimierte Problemlösung |
| Begriff | Begriff (Concept) als Relation (R) zwischen seinen definierenden Merkmalen:
C: R (x,y,...)
AUTO hat Türen und Motor und ... Variation von Verknüpfungsregeln möglich |
| Begriffsklassifikationen | 1.Art der definierenden Merkmale
eindimensional (Farbe) mehrdimensional (Farbe & Form) 2.Art der Verknüpfungsregel konjunktiv (und-Verbindung) disjunktiv inklusive disjunkt ein ODER mehrere Merkmale mögl. exklusive disjunkt entweder / oder-Regel relational größer/kleiner |
| Merkmalsidentifikation | mit bekannten Regeln Merkmale zu bestimmern |
| Regelidentifikation/Regellernen | mit bekannten Merkmalen Verknüpfungsregeln lernen
Experiment: Rezeptionsmethode "der zu findende Begriff hat 2 Merkmale" * Herausfinden der Verknüpfungsregel (Kreis UND rot) * Präsentation verschiedener Objekte mit diesen Merkmalen * Rückmeldungen vom Vl (richtig/falsch) * Versuchsende bei Nennung des richtigen Begriffs |
| Schwierigkeitsgrade beim Regellernen
Neisser & Weene |
* bei 2 Merkmalen gibt es 16 Verknüpfungsmöglichkeiten
* 4 Regelebenen Level 0: Regel 1 (alle) und Regel 2 (alle nicht) = Merkmale sind irrelevant Level 1: Regel 3-6 (Affirmation und Negation) = nur 1 Merkmal ist relevant Level 2: Regel 7-14 (pos./neg.Konjunktion; pos/neg.Disjunktion, Kondition, Exklusion) = gezielte Verknüpfung Level 3: Regel 15-16 (Bikondition und exkl. Disjunktion) = Mehrfachverknüpfung beider Merkmale Schwierigkeit steigt, je mehr beteiligte kognitive Prozesse
|
| Konzeptlernen | Merkmale und Regeln müssen gelernt werden |
| Fokusstrategie | 1.konservativ
Ausgangsbeispiel stellt Fokus (Brennpunkt dar) systematische Variation einer Dimension am häufigsten angewanddt, da sicherer Lösungsweg 2. Spielerisches Fokussieren es werden zwei Dimensionen gleichzeitig verändert kalkulierbares Risiko, keine Zeitverzögerung 3. negative Fokusstrategie * bei disjunkten Begriffen * erste gefundene neg. Beisp. stellt Fokus dar * wie konservativ, sehr erfolgreich 4. Multiple negative Strategie * Suchen aller negativen Beispiele, dann Erschließen des Begriffes daraus * Auffinden disjunkter Begriffe schwieriger wg. ungewohnten Umganges mit negativer Information |
| Sukzessive Hypothesentestung | erste Wahl begründet Hypothese über gesuchten Begriff
unsystematisches Prüfen durch Auswahl - Scanning unkalkulierbares Risiko, Erfolg zufallsabhängig Neue Hypothese bei negativem Feedback bevorzugt bei erhöhter Schwierigkeit und thematisierten Aufgaben (komplexere Bilder statt geometr.Aufgaben) |
| Begriffsfindung im Rahmen S-R- oder S-O-R-Theorie | Kontiguität
Reiz und Reaktion sind Ereignisse Begriff: Menge von Reizen, auf die die gleiche Reaktion erfolgt, Reize sind ähnlich und assoziiert Generalisierung Konsistente Verstärkung Wenn Reize nicht in der Umwelt liegen, sondern im Organismus, dann S-O-R-Modell (Hunger->Nahrung->Essen) |
| Hypothesentheorie von Restle | Verhalten wird immer durch Hypothesen gesteuert
* es kann immer nur 1 Hypothese geprüft werden * Lernen nur durch negative Rückmeldung (aus Fehlern lernen) * nur die Arbeitshypothese ist im Gedächtnis * sampling- with-replacement (Wiederverwendungsmodell) alte Hypothese wird wieder bereitgehalten * Alles- oder-Nichts-Prinzip |
| Bower & Trabasso
Modifikation der Hypothesentheorie |
* begrenztes Gedächtnis für bereits getestete Hypothesen
* sampling-without-replacement (Konsistenzmodell) alte Hypothese scheidet aus dem Repertoire aus * Gedächtniseffekte - eine oder mehrere Hypothesen in der Prüfung - unterschiedliche Prüfungsdauer - teilweise Speicherung möglich |
| Levine | Alles- oder-Nichts-Gesetz falsch
ständiger Lernfortschritt durch Einengung des Hypothesenraumes beträchtliches Speichergedächtnis für falsche und potentiell richtige Hypothesen, gearbeitet wird jeweils mit 1 Hypothese |
| Stadien der Begriffsfindung (WESCH) | Wahrnehmung relevanter Information
Enkodierung - Auswahl & Bewertung Schlußfolgerung - inferential knowledge |
| Kontrollprozesse
Begriffsfindungsmodell v. Bourne |
steuern den Informationsfluß zwischen den Gedächtnissystemen |
| Kritik an den Forschungsansätzen zur Begriffsfindung
(Restle, Bourne, Levine) |
1.zu spezifische Modelle, nicht vergleichbar oder
verallgemeinerbar, zu abstrakt, realitätsfern 2.Bildung und Erwerb natürlicher Begriffe ungeklärt 3.im Experiment nur künstliche Begriffe (wenige Merkmale, nur 1 Regel) |
| Begriffsbildungsmethode von ACH | Experiment:
Präsentation von 12 stereometrischen Körpern (gleichzeitig), die mit einem sinnlosen Wort versehen waren (Zettel) Frage: Welche Merkmale weist ein Begriff auf, der durch das sinnlose Wort benannt war? Methode: Einübung: Anfassen, Aussprechen Zettel werden entfernt Suchen: Zuordnung der Figuren zu bestimmten "Worten" Prüfen: inwieweit hat der sinnfreie Begriff an Bedeutung gewonnen? Methode: Satzbildung mit sinnfreien Worten, Ergebnis: Transfer ist möglich |
| Schwierigkeitsgrade beim Regellernen
Bourne |
implizite individuelle Klassifikationstendenzen
typisches Antwortverhalten beide Merkmale: positive Attribution beide Merkmale nicht vorhanden: negative Attribution daher konjunktive Regeln leichter zu lernen als disjunktive Übung fördert den Aufbau adäquater Verhaltensweisen |
| Transfer beim Regellernen | Übungseffekt bzgl. neuer Regeln aufgrund bereits bearbeiteter
Regeln
Transfer bewirkt Erleichterung des Problemzuganges Experiment: Vpn übten Regelindentifikation 4 Regeln mit 3 Durchgängen (= 12 Probleme bearbeitet) 2.Test: Beearbeitung neuer Regeln Ergebnisse: Übungseffekt: Fehlerwert sinkt pro Regel Transfereffekt: Fehlerwerte pro Regelgruppe sinken Erklärung des Transfereffektes:
|
| Problemlösen | PROBLEM ist die Barriere zwischen einem IST-Zustand und
einem angestrebtem SOLL-Zustand
AUFGABE hat keine Barriere, Überführung von IST-zu SOLL erfolgt ohne Probleme: Abruf der Information direkt aus dem Gedächtnis |
| Problemdefinition in | Gestalttheorie: defekte Gestalt erzeugt Spannung und soll in
gute Gestalt überführt werden
Behaviorismus: dominante Reaktion auf Reiz führt nicht zu gewünschtem Ergebnis Informationsverarbeitung: Ausgangszustand kann nicht ohne Operatoren in Zielzustand transformiert werden |
| Geschlossenes Problem | Ist- & Sollzustand sind klar definiert
Transformatoren sind unklar (mathemat. Formel) |
| Offenes Problem | Weder Ausgangs- noch Zielzustand sind definiert, Transformatoren unklar (Verbesserung der Lebensqualität) |
| Klassifikation von Barrieretypen nach Dörner | 1.Interpolationsbarrieren (geschlossenes Problem)
Ist-/Sollzustand & Operatoren bekannt spezifische Abfolge unbekannt (Anagramme) 2.Synthesebarrieren (geschlossenes Problem) benötigte Operatoren sind unklar (Zahlenreihen) 3. Dialektische Barrieren (offenes Problem) Prüfung auf interne und externe Widersprüche |
| Resultatorientierter Problemlöseansatz
(bis 1960) |
* ergebnisorientiert
* interindividuelle Unterschiede * Lösungszeit/Lösungsgüte als Grundlage * Typisch: Anagramme (shua=haus) Gestaltpsychologische Aufgaben - Streichholzaufgaben/Neukombinationen - 9-Punkte-Aufgaben (verbinde mit einem Strich) |
| Prozessorientierter Ansatz | * Lösungsprozess im Fokus
* Typisch: - Zwischenziele bei Aufgaben - Sichtbarmachen von Strategien * Aufgaben - Turm von Hanoi (möglichst wenig Züge) - Kannibalen-Missionare-Problem - krypto-arithmetisches Problem CROSS 96233 +ROADS 62513 DANGER 158746 |
| Problemschwierigkeiten auf Seiten des Problems | 1.Problemumfang:
* Zahl der Lösungsalternativen Hick-Hyman-Law: Entscheidungszeit (RT) wächst linear zum Informationsgehalt des Problems 2.Problemkomplexität * bei erhöhter Anzahl und Qualität Problemlösequalität sinkt bei: * ansteigender Variablenzahl * nichtlinearer Vernetztheit * steigender Intransparenz des Problems 3.Barrieretypen * Interpolation/Synthese/Dialektische Barrieren |
| Problemschwierigkeit auf Seiten der Person | 1.Faktenwissen
2.Operationswissen * Umfang, Organisation, Verfügbarkeit 3.Persönlichkeitsvarianten * Selbstsicherheit/Angst vor Mißerfolg * Fluchttendenzen (thematisches Vagabundieren) * Abnahme der Selbstrefelexion, vorschnelles Reagieren |
| Merkmale der Problemkomplexität
(in Klammern "Raumschiffbeispiel) |
1.Variablenanzahl (Geschwindigkeit,Höhe,Bremsstufe)
2.Vernetztheit der Variablen (Treibstoffverbrauch bei unterschiedlicher Geschindigkeit) 3.Transparenz (welche Variablen spielen wann eine Rolle) 4.Eigendynamik (fehlt in diesem Beispiel, siehe LOHHAUSEN-Experiment weiter unten) |
| Determination der Problemschwierigkeit durch Wissensumfang und -organisation | * stellt problemrelevante Fakten zur Verfügung
* konkretisiert vorstellungsnahe interne Repräsentation * Auswahl und Anwendung von Operationen und Bewertungen * erhöht/reduziert evtl. durch semantische Relationen die Problemschwierigkeit |
| Funktionale Gebundenheit | bestimmte Informationen stehe nur in einem funktionalen Zusammenhang
zur Verfügung
Bsp: Seilaufgabe 1. Stromkreis basteln mit Schalter-Montage 2. ...mit Relais-Montage 3. Seilaufgabe >> Schalter und Relais wurden nicht als gewicht verwendet, weil diese Geräte funktional für den Stromkreiseinbau vorgesehen sind. BegriffstypischeTätigkeit rückt typische Merkmale und charakterisierende (untypische) in den Hintergrund - der Gegenstand muß aus seinem semantischen Netz (Funktionszusammenhang gelöst werden, um weitere Merkmale verfügbar zu machen) |
| Duncker´sches Schachtel- und Kerzenproblem | Aufgabe: Befestige Kerze an Wand
Material: 3 Kerzen, Streichhölzer, Schachtel mit Reißnägeln darin Lösung: Schachtel umgekehrt mit Reißnagel an Wand befestigen und Kerze obendraufkleben, vorher Kerze anzünden und Wachs auf Schachtel tropfen Lösungsschwierigkeiten, da Schachtel als Behälter und nicht
als Träger gesehen wird.
|
| Selbstverstärkung nach Maltzman | Alleine das Aufrufen einer Reaktion ist selbstverstärkend |
| Gestaltpsychologie vs. lerntheoretische Erklärung des Denkens | GP wendet sich gegen mechanistisches Menschenbild
(GP: Individuum ist nicht nur reagierendes Subjekt) * aktive Umweltbewältigung, produktiv agierend, planend, organisierend Hingegen wird Thorndike´s Katzenexperiment als zufälliges Try-&Error-Verhalten gesehen |
| Problemdefinition in der Terminologie der Gestalttheorie | Problem ist eine defekte Gestalt, die eine Spannung erzeugt.
Dadurch wird eine Person dazu gebracht, nach einer Spannungslösung zu suchen, daß aus der defekten Gestalt eine gute wird. Problemlösen entsteht durch Umorganisieren des Wahrnehmungsfeldes |
| Einsicht | Einsicht bewirkt eine sprunghafte Veränderung und plötzliche
Lösungsfindung, aufgrund internen Umstrukturierungsvorganges (AHA-Erlebnis)
Bsp: Affenversuch mit Banane & Stock |
| Köhler´s Kritik an Thorndike´s Problemkäfigen | Katzen konnten den Öffnungsmechanismus nicht sehen, lösungsrelevante
Gegenstände waren nicht im Wahrnehmungsfeld, daher nur Try & Error-
Verhalten
Thorndike sieht Lernen als allmählichen Prozess, bei dem irrelevante SR-Verbindungen gelöscht, relevante verstärkt werden. Köhler´s Affen konnten nach gewonnener Einsicht das adäquate Verhalten ohne Zögern zeigen Kritik daran: unterschiedliche Gehirne bei Katzen & Affen |
| Umstrukturierung | Aufbrechen wahrnehmungsgebundener Strukturen und Erstellen einer neuen Problemstruktur, die Lösungseinsicht mit sich bringt, und somit Umwandlung von defekter in gute Gestalt ermöglicht |
| Produktives Denken | Gestaltpsychologie
Neukombination vorhandener Erfahrungen, hoher Transfer |
| Reproduktives Denken: | Suchen vorhandener Erfahrung
kein Übertragungseffekt |
| Transfer nach Art des Denkens | Experiment von Katona:
1.Gruppe beobachtet bei der Lösung 2.Gruppe sollte Lösungsweg verstehen 3.Gruppe Kontrollgruppe ohne Info Gruppe 2 zeigte nach 1-3 Wochen deutlichen Leistungsvorteil bei der Bearbeitung eines neuen Problems durch die gewonnene Einsicht in die Problemstruktur Gruppe 1 zeigte keinen Transfereffekt, da nur problemspezifischer Lösungsweg bekannt |
| Richtung produktiven Denkens | bestimmt aus den Merkmalen der Problemsituation und Probleminterpretation
das Problemverständnis
Hinzufügen/Wegnahme von Info bewirkt Richtungsveränderung (Umstrukturierung) und Wechsel der Aufmerksamkeit determiniert den Funktionswert des Lösungsvorschlages |
| Funktionswert | trifft Aussage über Zielnähe
Qualität der Lösungsvorschläge: hoher FW: Lösungsvorschlag liegt auf der richtigen Linie, AHA-Erlebnis, Einsicht, Problemstrukturdurchdringung |
| Gute und schlechte Fehler beim Problemlösen
Duncker |
Gute Fehler:
beinhalten Lösungsvorschlag mit hohem Fw meist nicht umsetzbar (ich gehte zu Bett) schlechte Fehler: bei Lösungsvorschlag mit niedrigem Funktionswert |
| Kritik an Gestalttheorie | 1. keine geschlossene Theorie
2. Theorien stammen fast alle aus der Wahrnehmungspsychologie und sind als Übertragungen auf das Problemlösen charakterisierbar 3. vage Terminologie (größte Kritik!) 4. Introspektion und "Lautes Denken" methodologisch fragwürdig |
| Positive Aspekte der Gestalttheorie | 1. Überwindung der passiven, mechanistischen Position der Assoziationstheorie
2. Beschreibung und Erklärung auch komplexer Problemlöseprozesse |
| Kennzeichen des Informationsverarbeitungsansatzes | 1. Menschlicher Organismus als offenes System
- Aufnahme, Verarbeitung, Wiederabgabe von Info 2. kybernetisches System mit kompensierenden Rückkoppelungsschleifen zwischen den Elementen, die den Organismus in einem Gleichgewichtszustand halten. 3. Darstellung im Blockschaltbild möglich - Abbildung der Relationen zwischen den Elementen und der Struktur des Systemes |
| Epistemische Struktur | nach Dörner:
Teil des Langzeitspeichers beinhaltet die Datenbasis (Wissen) des Individuums Netzwerk mit Knotenpunkten verbunden durch semantische Relationen: 1. Teil-Ganzes Relation: Eine Blume hat Blüten 2. Abstraktions-Relation: Eine Blume ist eine Pflanze 3. Raum-Zeit-Relationen (episodisches Gedächtnis) |
| Heuristische Struktur | nach Dörner
Teil des Langzeitspeichers speichert Veränderungswissen (Operatoren,Transformatoren) dient der Überwindung von Barrieren Problembewältigung Reduktion von Lösungsalternativen 1.Analysator für Eigenschaften von Problemen 2.Speicher für Lösungsmethoden (Heuristiken) 3.Kontrollsystem |
| Handlungsprogramm | nach Dörner
unverändert abrufbare, fertige Lösungsmethode in der Epistemischen Struktur gespeichert Aufgabenbewältigung |
| Unterschied Aufgabe/Problem | Aufgabe: durch ABRUF einen HANDLUNGSPROGRAMMES zu bewältigen
Problem: Einsatz von HEURISTIKEN und neuen Operatorkombinationen |
| Evaluative Struktur
nach Hussy |
enthält Bewertungskriterien, die Evaluatoren
Evaluatorenauswahl determiniert die Bildung von Zwischenzielen oder Problemwechsel: Schachzug ist zu bewerten vor dem Hintergrund des - Figurengewinnes - Verbesserung der eigenen Angriffsposition - Stabilisierung der eigenen Verteidigungsposition |
| Arbeitsspeicher/Arbeitsgedächtnis | kurzfristiges Speichermedium (schlußfolgerndes Denken)
AG benutzt Kurzzeitgedächtnis als Zwischenspeicher zur Entlastung Beleg: 3 Items im KS : keine Beeinträchtigung bei schlußfolgerndem Denken bei 6 Items ist Beeinträchtigung feststellbar |
| Zentraler Prozessor | komplexes Programm vieler heuristischer und algorhythmischer Verarbeitungsstrategien
aktiviert den gesamten kognitiven Apparat steuert das Zusammenwirken der Komponenten seine Entscheidungen determinieren den Infofluß Funktionen: 1. Auswahl und Weiterleitung einlaufender Info in AG & KS 2. Entscheidung bzgl. Fakten aus der ES,Operatoren aus der HS und Evaluatoren aus der EVS zur Verarbeitung einbezogen werden 3. Zielkontrolle 4. Prozesscharakter beim Problemlösen 5. Zielplanung, Erfolgskontrolle |
| SPIV-Modell
Struktur-und Prozessmodell menschlicher Informationsverarbeitung nach Hussy |
Info-Verarbeitung erfolgt in 4 Systemzuständen
1. Problemfindung und Zielkriterienerstellung - Infosammlung (Umweltreize,Wissen aus der ES) - ZP steuert Suche und Selektion - Konzentration der Info in AG und KS - EVS: Solange Ziel noch nicht erreicht: Problem - wenn lösbar: Aufgabe 2. Operatorsuche und -anwendung - ZP steuert Auswahl und Anwendung der Operatoren aus HS -produktives Denken: Anwendung der Operatoren 3. Evaluatorsuche und -anwendung - Suche nach angemessenem Bewertungsmaßstab im EVS - Wirkungsprüfung - bei Nicht-Erreichen: Fortsetzen des Prozesses Bei Erreichen 4. Outputsteuerung - ZP leitet Info aus AG und KS in das Antwortsystem weiter - steuert und kointrolliert Rückführung neuer Infos aus KS in langfristige Gedächtnisstrukturen |
| Ziele der Computersimulation | Überprüfung von Modellen und Theorien des Problemlösens
typisch menschliche Vorgehensweise wird gewählt Vergleich von Problemlöseschritten & -qualitäten methodische Besonderheiten: 1. Probleme mit sequentiellem Charakter - ermöglicht viele Teilschritte 2. Rückgriff auf zwei zusätzliche Datenquellen - Methode des "lauten Denkens" - Registrierung von Augenbewegungen |
| Entstehen einer Problemlöseeinstellung
nach Luchins & Luchins |
taugliche Operatorkombination (Makrooperator) wird gesucht,
und als vollständiges Handlungsprogramm in des ES abgelagert.
Es genügt dann zukünftig das reine Abrufen des Lösungsprogrammes. (Problem wurde zur Aufgabe) Vorteil: schnelleres Lösen durch geordnete und bewährte Operatorsequenzten Fachmann besitzt Makrooperatoren |
| Funktionale Fixierung | Merkmalsfixierung des Faktenwissens hinsichtlich der Verarbeitungsphase |
| Lohhausen-Studie
nach Dörner |
VP soll Ortschaft "Lohhausen" als Bürgermeister für 10 Jahre
regieren. Hat mehrfache Einflußnahmemöglichkeit.
Bekommt Konsequenzen rückgemeldet. (hochkomplx: 2000 Variablen unterschiedlich verknüpft) Offenes Problem, Zielzustand muß definiert werden Barrieretyp:dialektisch 8 Sitzungen zu je 2 Std.: 120 Monate sind auf 8 Einheiten zu verteilen Ergebnisse: schlechte VP * vagabundieren von Thema zu Thema * kapseln sich in irrelevantem Teilthema ein * analysieren weniger genau * handeln ad hoc, d.h. reagieren statt zu agieren * wenig Entscheidungsfreude * wenig Entscheidungskoordination * weniger Selbstreflexion und -organisation * mehr Infobedarf * weniger Planung und Organisation NUR Selbstsicherheit und sinnvolle Informationssuche bieten eine Grundlage für Vorhersagen, aber nicht Testintelligenz, Testkreativität, Alter, Geschlecht, Studienfach, Vorbildung etc! |
| Zusammenhang zwischen emotionalen und kognitiven
Prozessen beim Problemlösen (Lohhausen-Studie) |
geringe Selbstsicherheit bewirkt Angst vor Mißerfolg
Fluchttendenzem (Thematisches Vagabundieren, Verkapselung geringe Entscheidungs- und Verantwortungsbereitschaft, geringe Delegations- und Exkulpationstendenz) Angst vor Mißerfolg steigert Tendenz zur intellektuellen Notfallreaktion (Abnahme der Selbstreflektion, vorschnelles, unkontrolliertes, unüberlegtes Handeln) - verkürzte und eingeengte Info-Suche Optimierung des Problemlöseprozesses, wenn Bestreben vorhanden, einen schnellen Überblick zu bekommen Teilerfolge wirken sich positiv auf den weiteren Prozess aus (allerdings nicht gefunden von Putz & Osterloh/1983, wo sich die Problemlösegüte nicht hinsichtlich der Erfolgs-/Mißerfolgsmotivation unterschied) |
| Kognitive Vorgänge beim komplexen Problemlösen | 1. Abfrage der Ist-Situation der kritischen Variablen
2. Wenn keine kritischen Variablen bekannt, wird das Generalziel zerlegt in handhabbare Teilziele (Poytelie) - Komponentenanalyse (Zerlegung in Bestandteile) - Dependenzanalyse (Kausalbeziehungen) - Subordinationsprozesse (Unterbegriffe: Rose bei Blume) - Superordinationsprozesse (Überbegriffe: Pflanze bei Blume) 3. Bei erfolgloser Teilzielbildung: externe Zielbildung - Befragung der Bevölkerung 4. Rangreihe der Mißstände (Zeitplanung) 5. Absichtsbehandlung (Operator-/Evaluatorsuche) |
| kognitive Prototypen | kleinster gemeinsamer Nenner einer Begriffsinstanz
Begriffe sind in Form von Prototypen im Gedächtnis abgespeichert Transformationsdistanz bilden sich aus der individuellen Lerngeschichte wahrsch. bildhaft (ikonisch) und nicht begrifflich abgespeichert |
| semantische Prototypen
nach Rosch |
1. Häufigkeit der Nennung
2. Zeitpunkt der Nennung 3. Zugehörigkeitsrating 4. Verifikationszeit Hohe Zusammenhänge zwischen Häufigkeit und Zeitpunkt der Nennung Gradient der Begriffszugehörigkeit ist mitgespeichert (Transformationsdistanz) |