1.2.1. Welche Lernprozesse kommen zum Ausdruck?
Die technischen Anfangsprobleme im Chat und Forum sind langsam überwunden
Die Gruppe hat eine einigermaßen stabile Selbstorganisation gefunden
(Helmut Groschwitz)
Ein ganz banales Beispiel wäre, dass die Lernumgebung kooperatives
Lernen unterstützt.
Diese Lernform kann man aus verschiedenen Perspektiven betrachten und
analysieren, es gibt verschiedene Prozesse die man beim kooperativen Lernen
beobachten (und nicht zuletzt: fördern) kann. Das wäre ein möglicher
Ausgangspunkt für eine Diskussion.
Weitere Beispiele wären: selbstgesteuertes Lernen, Teletutoring
(z.B. im Sinne vom cognitive apprenticeship-Ansatz), learning communities,
situiertes Lernen, und, und, und...(Nic Nistor)
Hm, Nic nennt einige Ansätze:
kooperatives Lernen,
selbstgesteuertes Lernen,
Teletutoring (z.B. im Sinne vom cognitive apprenticeship-Ansatz),
learning communities,
situiertes Lernen
Sind alles das Lernprozesse ? Mir scheint, es sind eher Methoden.
So richtig kann ich mir auch nichts unter der Frage vorstellen.
Vielleicht sollte man klären, was denn ein Lernprozess ist, wie
er angestossen wird, was dabei abläuft.
Vielleicht gibt es dannverschiedene Arten von Lernprozessen, die in
kooperativem Lernen, selbstgesteuertem Lernen usw. verwirklicht sind. sollten
learning communities einen Lernprozess darstellen,
So bin ich bei Teilfrage 3 für die Untersuchung von learning communities.
Sehr interessent finde ich in dem Zusammenhang auch ablaufende Kommunikationsprozesse.
(was passiert dabei ?
Wie entsteht die community ...) welche Kommunikationsvorraussetzungen
müssen bestehen, um eine learning community überhaupt erst funktionieren
zu lassen ? (Timo Baur)
Lernprozesse2:
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Der grundsätzliche Lernprozeß besteht doch darin, daß
wir Lernen, wie man in Computernetzen lernt.
Und das ganze auf konkreter Ebene, hier vorm Rechner, und auf Metaebene,
indem wir uns die Texte reinziehen und schließlich über alles
reden.
Anders gesagt: wir lernen durch den Inhalt und durch die Form.
Zur Effizienz ist anzumerken:
rein theoretisch könnten wir ohne Netz schneller lernen, aber
erst durch Lernen im Netz können wir es auch begreifen. Damit ist
das Thema "Lernen in Computernetzen" eines der wenigen, das trotz der schon
diskutierten Einschränkungen, effektiv nur im Netz gelernt werden
kann.
Ein weiterer Lernprozeß ist das konkrete Erkennen der Möglichkeiten
und Schwierigkeiten des Mediums Computer und Internet.
Da ich zwar nicht meine, daß daß "the medium is the message",
aber doch, daß das Medium die Nachricht, den Inhalt verändert,
indem es sie begrenzt. Man könnte einmal versuchen zu diskutieren
ob nicht für jeden Lerninhalt ein "spezifischer Mediumstauglichkeitskoeffizient"
aufgestellt werden kann.
Ein weiterer Lernprozeß für mich ist die sinnliche Erfahrung
des Computerlernens, das bei mir im Moment vor allem klar gemacht hat,
daß die Virtuelle Hochschule zwar ein interessantes Zusatzangebot
ist (je nach dem jeweiligen Koeffizienten), aber das traditionelle Seminar
nie ablösen können wird. (Helmut Groschwitz)
1.2.2. Relevante Theorien der Päd.
oder Psychologie
1.2.2.1. Relevante Theorien der Psychologie
Es ist nicht unproblematisch, eine diesbezügliche Darstellung "in
Kürze" zu geben, ohne sehr vertieft in das Thema "Psychologische Lerntheorien"
einzusteigen.
Daher reduziere ich meinen Beitrag auf einige kurze abstrahierte Stichworte,
die ich diesbezüglich evtl. einmal nachrecherchieren würde:
Behavioristische Ansätze stellen sich eher verhaltenstheoretisch-umweltorientiert
dar, weitgehend als Außensteuerung durch Reize.
In virtuellen Lernumgebungen bedeutet dies Fragen nach der Wirkung
bestimmter Reize auf den Lernenden, externale Motivationsgenerierung, Belohnungssysteme
(z.B. bei Frage-Antwort-Situationen)
Instrumentelles Lernen befasst sich mit den antizipierten und
eintretenden Folgen eines Verhaltens (Lernens)
Für die Gestaltung einer Lernumgebung dürfte hier ein interessanter
Ansatz zu finden sein, denn die erforderliche Eigeninitiative beim virtuellen
Lernen kann durch entsprechende Verstärkungen sicher verstärkt
werden.
Mittels handlungstheoretischer Ansaätze, etwa der Sozialen
Lerntheorie von Bandura könnten darüberhinausgehende Fragen
nach der Wahl einer bestimmten Lernumgebung (virtuelles Setting) geklärt
werden. "Lernen am Modell" erhält in der virtuellen Präsentation
eine vertiefte Bedeutung, denn das Modell muß ja selbst gewählt
(gefunden, und sei es durch Zufall) werden.
Hat dann dabei ein "Virtuelles Modell" dieselbe Wirkungstiefe, wie
ein "reales" (adaptiert: ist "Werbung" also eine Art "Lernmodell"?). Wie
wirkt das "soziale Umfeld" auf den Lernenden - und welche Wechselwirkungen
sind denn zwischen dem "realen sozialen Umfeld" und dem "virtuellen sozialen
Umfeld" zu erwarten bzw. festzustellen?
Interessant ist dabei sicherlich die Frage nach der jeweiligen Persönlichkeitsentwicklung
(was lernt man bei Computerspielen?)
Konzept der Selbstwirksamkeit (ebenfalls Bandura) stellt die
Frage nach der Aktivitätsaufnahem aufgrund vorhandener Überzeugung,
etwas "zu können oder nicht". Ein gerade bei der erhöhten Selbst-Motivationsannahme
sicher spannendes Thema. Angenommene eigene Kompetenzen und Selbstwahrnehmung
(=Feedback im virtuellen Raum trotz fehlender noverbaler Rückmeldungsreize
Begriffsbildung und Wissenserwerb sind weitere hochrelevante
Themenbereiche im Zusammenhang mit virtuellem lernen - es muß erhöhte
Aufmerksamkeit auf diesen Aspekt gelkegt werden, denken wir an die bereits
diskutierten Aspekte wie "gemeinsamer Wissenshintergrund", Benutzung "derselben"
Sprache
(Termini in gleichverstandenem Impact) etc.
Die Thematik kann hier nur angedeutet werden, die Lernpsychologie ist
ein sehr weitgreifendes Feld.
Einführend empfiehlt sich Zimbardo´s "Psychologie" (S.227
ff., S.417ff) Springer (alle Auflagen)
und vertiefend Edelmann, Walter, Lernpsychologie, 5.Auflage, BeltzPsychologie
Verlags Union, Weinheim
Es zeigt sich übrigens hier die Problematik
eines Online-Seminares:
sobald das Seminar über reine Wissensvermittlung
und relativ zeit- und themennahe Inhalte hinausgeht, würde der Rahmen
aufgrund der schriftlich zu erbringenden Beiträge sowohl quantitativ
als zeitlich viel zu komplex und gesprengt. Nehmen wir nur obige Aspekte
- die Frage nach relevanten psychologischen Theorien würd ein der
Diskussion viele, viele Seiten füllen - zumal offensichtlich Aspekte
unterschiedlicher theoretischer Ansätze in der virtuellen lernumgebung
berücksichtigt wwerden müssen, die ebvtl. in einer Weise aufeinander
wirken, die man bislang so nicht kannte! (Selbsterwartung-Instrumentalität
zur Motivationssteigerung-Soziale Feedback-Aspekte (virtuelles Sozialisieren?)
usw!
Eine erste - vorläufige - Erkenntnis für mich lautet daher,
daß eine virtuelle Lernumgebung möglicherweise thematisch sequentiell(er)
gestaltet werden muß, um eine zu große Ausweitung der Aspektbreite
bewußt einzuschränken.
Wir werden sehen, ob sich diese Verbreiterung im weiteren Seminar
fortsetzt, und ob bzw. welche Maßnahmen wir ergreifen müssen,
um "beim Thema" bleiben zu können!
(Hans Steiner)
Zitat: "Interessant ist dabei sicherlich
die Frage nach der jeweiligen Persönlichkeitsentwicklung (was
lernt man bei Computerspielen?)"
Ich würde sagen, sehr viel. Durch die sofortige Anwendung des
gelernten und vielfachem meist monotonen Wiederholens wird das Gelernte
tief internalisiert.
Dies beziehe ich nicht auf ethische oder Sachfragen, sondern vor allem
auf Handlungsmodelle, strategisches, taktisches Denken u. globales, vernetztes
Denken (z.B. bei Wirtschaftssimulationen).
Weiter nimmt es Hemmungen, Wissen auch wirklich anzuwenden, da es ja
zunächst nur in der Simulation passiert.
Zitat:"Eine erste - vorläufige - Erkenntnis für mich lautet
daher, daß eine virtuelle Lernumgebung möglicherweise
thematisch sequentiell(er) gestaltet werden muß, um eine zu
große Ausweitung der Aspektbreite bewußt einzuschränken."
Eine interessante Frage, wobei durch die von Andrea genannte Hierarchisierung
der Beiträge eine gewisse Parallelität und ein nebeneinander
aus Unterthemen entsteht.
Die Aspektbreite begrenzt sich meiner Meinung nach von selbst (emergent),
da die Teilnehmer die Diskussion nur soweit verfolgen, wie die Zeit und
der Rahmen es erlaubt. Evtl. Abschweifungen werden durch lange Nachrichtenthreads
(Antwort auf Antwort auf Antwort ...) sichtbar und können von anderen
Teilnehmern ignoriert werden, ohne den Gesamtzusammenhang aus den Augen
zu verlieren. Eine bewußte Einschränkung wäre meiner Meinung
nach eher künstlich.
Zitat: "Wir werden sehen, ob sich diese Verbreiterung im weiteren
Seminar fortsetzt, und ob bzw. welche Maßnahmen wir ergreifen müssen,
um "beim Thema" bleiben zu können!"
Ja, wichtig ist glaube ich die Gesamtstrukturierung, sprich in unserem
Fall das Öffnen neuer Nachrichtenthreads zu jeder Aufgabe, um alle
Teilthemen zu behandeln und einen roten Faden zu gewährleisten.
(Timo Baur)
Thema: Roter Faden
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In den Theorien bin ich jetzt gar nicht beschlagen, was ich mir denke
ist: Wichtig ist das Finden eines Roten Fadens, sprich einer Orientierung,
anhand derer die Frage der Relevanz geklärt werden kann. Damit läßt
sich wohl auch das (übliche) Problem der Ausweitung und des "vom hundersten
ins tausendste kommen" mindern.
Auch in diesem Punkt scheint mir ein regelmäßiger chat geeignet
"auf den Punkt zu kommen".
(Helmut Groschwitz)
1.2.2.2. Relevante pädagogische
Theorien
Nicht ganz zufällig finden sich bei diesem Seminar konstruktivistische
bzw. problemorientierte Anzeichen. Nicht zufällig deshalb, da
ein Vorreiter dieser pädagogischen Konzeption (Prof. Mandl) den Lehrstuhl,
in dessen Rahmen dieses Seminar stattfindet, leitet.
Im Konstruktivismus wird der Lernende als aktives Wesen angesehen.
Er nimmt den Stoff nicht einfach nur passiv auf, sondern interpretiert
ihn aktiv. Deshalb sollte im Sinne des Konstruktivismus eine Lernumgebung
zum Nachdenken anregen und Anwendungen des Gelernten ermöglichen,
damit das Gelernte nicht als theoretisches Wissen vertrocknet.
Kennzeichen der konstruktivistischen Lernumgebung sind:
Authentische Lernumgebung:
Die Lernumgebung spiegelt eine reale Situation wider. In unserem
Fall die Evaluation einer Lernumgebung
Multiple Konexte/Multiple Perspektiven:
Das Gelernte sollte in mehreren Kontexten gesehen bzw. gelernt werden,
damit es besser zu übertragen ist. Dies geschieht bei uns, denke ich,
durch die Einbeziehung verschiedenartiger Literatur und durch die Einteilung
in Gruppen, die die Aufgaben jeweils anders lösen und somit neue Sichtweisen
für die übrigen bieten. Eigentlich müssten wir jedoch mehrere
Seminare evaluieren, was jedoch zeitlich schwierig sein könnte.
Sozialer Kontext:
Über die Kooperation zwischen den Lernenden sowie zwischen den
Lernenden und dem Experten kann vermittelt werden, dass Wissen auch eine
soziale Komponente hat, da es gemeinsam erarbeitet und angewendet werden
muss. Die Arbeit im Team trägt somit zu den oben beschriebenen multiplen
Perspektiven bei und fördert kommunikative und soziale Fertigkeiten.
Eigeninitiative statt Anleitung:
Es wird nur wenig Anleitung gegeben, um die Eigenaktivität zu
fördern
Soviel zur Theorie (bei weitem nicht vollständig;
Quelle: "Computerunterstützte Lernumgebung",Arzberger/ Brehm(Hrsg.),
Studie bei Siemens, Publicis MCD Verlag. <sehr empfehlenswert>).
Ich
denke diese Punkte finden sich in unserem Seminar wieder.
(Julian Garbotz)
1.2.3.Gestaltungsaspekte der Lernumgebung?
Motivation - was fehlt sind Bilder, Grafiken,..., und die Möglichkeit
eventuell solche in die Antworten einzubinden.
Strukturierung - Ein Verbesserungsvorschlag: die jeweiligen Unterverweigungen
wie im Windowsexplorer "aufmachen" zu können und so einen besseren
Überblick zu bekommen.
Navigation - ist in dieser Lernumgebung gut gelöst (zwei hierarchisch
geordnete Navigationsleisten) (Helmut Groschwitz)
Leider fehlt mir als Informatiker ein wenig
das psychologische und pädagogische Grundwissen, um hier mit
wissenschaftlichen psych. oder päd. Theorien zu Lernprozessen ranzugehen.
Bisher ist die Frage nach den Lernprozessen auch noch nicht beantwortet,
deshalb ist es momentan auch schwer, sich zur Beantwortung der Frage darauf
abzustützen. Denn eigentlich sollte es ja so aussehen: Lernprozess
-> Gestaltungsaspekt
Bevor wir aber noch keine Lernprozesse gefunden haben, erst mal eine
einfachere, kurze Einschätzung:
Eine Lernumgebung muß:
* übersichtlich sein
* das Thema klar strukturieren
* motivieren
* unkompliziert sein
(Timo Baur)
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