Gestaltungsaspekte der Lernumgebung


Hans Steiner:

Wie ja schon herausschimmerte, bedarf es einer sehr hohe Eigenmotivation, um (überhaupt) via Internet (also alleine vor dem PC ohne social cues & feedbacks) diszipliniert  an einem Thema dranzubleiben.  

Das ist übrigens insgesamt ein Problem im Netz: the mouse rules, und nur enorm hoher "Leidensdruck" führt zu Aktivität (hier denke ich z.B. an "Käufe") 

In einer LU muß der Motivationsdruck wegen des Mangels an sozialen und anderen äußeren Einflüssen (z.B. Zeitpunkt des Arbeitens, Regelmäßigkeit, womöglich auch interpersonal abzustimmende Pünktlichkeit) auch entstehen bzw. aufrechterhalten werden. 
Je subtiler das geschieht, umso besser, weil reaktantes Verhalten (Ausweichen, Widerstand) vermieden wird - man muß also irgendwie (...) versuchen, den Lernenden in eine Art "autosuggestive Spannung" zu versetzen (Stichwort:Flow).  
Emotional vielleicht vergleichbar einer Teilnahme an einem "Kontakt"-Forum....was "treibt" den Lernenden innerhalb der LU voran?  

Oder vielleicht kann man sich bei Filmregisseuren was "abgucken" - wie halten die die Spannung (Cliffhanger etc) 

Wäre so etwas anwendbar - und wenn ja, wie? 
Den Lernenden motiviert einerseits natürlich sein Streben nach irgendwelchen Belohnungen (Seminarschein), dann natürlich vielleicht weitere externe Kontrollmechanismen (Seminarleiter moderiert offensiv, eher als "Leiter") etc. 

Durch eine entsprechende Gestaltung kann möglicherweise die Bereitschaft zu einer intern motivierten Teilnahme bzw. Nutzung der LU gefördert bzw. behindert werden.  
Das kann man, denke ich, auch gut auf unsere verschiedenen Ansätze aufteilen. 



Julian Garbotz:
Also für mich ist eine Dimension etwas grundsätzliches. Ich denke da an: 

Text- und Bildgestaltung (Unterstützung der Eigenmotivation), 

Art der Betreuung(wenig Instruktion,viel Instruktion), 

Gestaltung der Aufgaben(theoretisch oder praktisch,). 

Multiple Kontexte oder  enger Bezugsrahmen(s. pädagogische Theorien) 

Diese Dimensionen müssen wir m.E. auf ihre Problemorientiertheit bzw. auf ihre Tauglichkeit, die Lernmotivation zu fördern prüfen. 


Timo Baur: 
kommentiert den Beitrag von HS (weiter oben - Zitate sind nachfolgend blau dargestellt, seine Meinung schwarz)

* hohe Eigenmotivation ist gefragt, um (überhaupt) via Internet (also alleine vor dem PC ohne social cues & feedbacks) an einem Thema dranzubleiben. 
"the mouse rules", nur enorm hoher "Leidensdruck" führt zu Aktivität. 
"The mouse rules" ist richtig. Die Formulierung finde ich auch gut. Nur stellt sich die Frage, inwieweit der einzelne Nutzer seine Maus unter Kontrolle hat. 
Die Versuchung ist natürlich groß, einfach ein paar Links weiter zu klicken und andere Gebiete des Internets zu erkunden. 
Dennoch bin ich nicht der Meinung, daß nur ein enorm hoher "Leidensdruck" zu Aktivität führt. 

Vielmehr spielt die Gruppe eine wichtige Rolle, der Druck, sich zurückzumelden, die anderen nicht aus den Augen zu verlieren, der bei Onlinegemeinschaften ensteht, dürfte meines Achtens stark genug wirken. 

"Leidensdruck" greift hier viel schlechter, da reaktantes Verhalten wie Ausweichen und Widerstand wesentlich einfacher für den Einzelnen durchzuführen sind als offline und weniger Sanktionen unterliegen. 

Thematischer "Druck" scheint meines Achtens hier mehr ein Auslöser der Motivation zu sein, als von außen verhängter Druck. Auf gut deutsch: man wird gezwungen, sich mit dem Thema selbst auseinanderzusetzen und bekommt weniger vorgekaut als bei Face-to-Face Gruppenveranstaltungen, wo es zunächst primär nur auf die körperliche und weniger auf die geistige Anwesenheit ankommt. Z.B.: Wieviele Leute sitzen in Vorlesungen und nicken, nur um nichts gefragt zu werden, obwohl sie etwas nicht verstehen ? 

* In einer LU muß der Motivationsdruck wegen des Mangels an sozialen und anderen äußeren Einflüssen (z.B. Zeitpunkt des Arbeitens, Regelmäßigkeit, womöglich auch interpersonal abzustimmende Pünktlichkeit) auch entstehen bzw. aufrechterhalten werden. 
Im Sinne eines motivierenden Lehrers ist dies sicher auch nötig. Die LU muß einen Teil der Aufgaben eines motivierenden Lehrers übernehmen, da der menschliche Lehrer nicht immer anwesend ist. 

*Je subtiler das geschieht, umso besser, weil reaktantes Verhalten (Ausweichen, Widerstand) vermieden wird - man muß also irgendwie (...) versuchen, den Lernenden in eine Art "autosuggestive Spannung" zu versetzen. 
Emotional vielleicht vergleichbar einer Teilnahme an einem "Kontakt"-Forum.... 
Spannung ist sicher wichtig, reaktantes Verhalten wird aber wohl nicht zu vermeiden sein, wird es doch in virtuellen Umgebungen erleichtert.
Eine Einschränkung reaktanten Verhaltens halte ich nicht für nötig, aber eine "subtile Ausnutzung" desselben könnte evtl dazu führen, den Lernenden wieder auf den roten Faden zu führen. 

* was "treibt" den Lernenden innerhalb der LU voran? Vorschlag: Neugierde, Spannung, Entdeckergeist, Wissensdurst, Gruppenprestige, Belohnung 
* wie kann man die Spannung halten, Parallelen zu Filregisseuren (Cliffhanger)? 
Durch gute Strukturierung des Stoffes und Möglichkeiten zum erfinderischen, spielerischen und freien Umgang mit der Lernumgebung, um den Lernenden nicht künstlich einzuschränken sondern zum praktischen Ausprobieren zu ermuntern. 
(auch: Stichwort Lernspiele) 

* Wäre so etwas anwendbar - und wenn ja, wie? 
* Den Lernenden motiviert einerseits natürlich sein Streben nach irgendwelchen Belohnungen (Seminarschein), dann natürlich vielleicht externe Kontrollmechanismen (Seminarleiter moderiert offensiv, eher als 
"Leiter") etc. 
Ja, aber eben nicht nur. Ich würde hier das traditionelle Schema Lehrer/Lernender gerne noch etwas unschärfer sehen, ein wichtiger Punkt bleibt die Moderation durch einen Seminarleiter allerdings trotzdem. 

* Durch eine entsprechende Gestaltung kann möglicherweise die Bereitschaft zu einer intern motivierten Teilnahme bzw. Nutzung der LU gefördert bzw. behindert werden. 
Hier möchte ich nochmal die Lernspiele zur Diskussion stellen. Die sind ja bewusst so gestaltet, daß es interessant bleibt. Meint ihr, das hier zugunsten der Motivation der Stoffinhalt auf der Strecke bleibt oder das es hier auf die jeweilige Anwendung ankommt ? 

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