1. Willkürbewegungen unterscheiden sich von Reflexbewegungen
1.1. sie sind beabsichtigt (Motor Equivalence)
- es werden situationsadäquate Bewegungsstrategien angewendet
- Hand bei Schreiben auf Papier / Arm bei Schreiben
an einer Tafel
1.2.. Die Effektivität der motorischen Bewegung steigert sich
durch Übung und Lernen
- Präzision wächst, Variabilität sinkt
- die Muskel-Kontraktionen werden effizienter und die Ausführungsgeschwindigkeit
steigt
1.3. auch wenn reflexhafte Bewegungen durch einen sensorischen Stimulus
hervorgerufen werden können, muß nicht notwendigerweise
ein solcher Stimulus der Bewegung vorangehen
1.4. die höheren Strukturen des motorischen Systems können
differenzieren zwischen
- Informationsinhalt eines Stimulus ( wohin oder wie soll die
Bewegung erfolgen)
- Auslösungssteuerung (wann soll die Bewegung beginnen)
Darüberhinaus sind viele Bewegungen eher durch Emotionen
inittiert, und nicht durch Willensakte.
1.5. Neural werden 3 Prozesse zu einer motorischen Handlungsausführung
eingesetzt
1.5.1. Identifizierung und Lokalisation eines Zielobjektes
1.5.2. Ausführungsplan (Handlungsplanung)
- was soll durchgeführt werden
- welche Körperteile sind involviert
- räumliche Komponenten werden miteinbezogen
1.5.3. Ausführung der Handlung
1.6. Bei der Handlungsausführung sind mehrere cerebrale Regionen
beteiligt:
1.6.1. posteriorer parietaler Cortex (hinterer Scheitellappen)
1.6.2. prämotorische Gebiete des frontalen Cortex
1.6.3. der primäre motorische Cortex
2. Die somatotopische Organisation der motorischen Gebiete im
cerebralen Cortrex
2.1. Gustav Fritsch und Eduard Hitzig entdeckten die ersten Hinweise
darauf, daß bestimmte Hirnareale in der Steuerung
der contralateralen Körperregionen beteiligt sind. Sie stimulierten
elektrisch bestimmte Hirnregionen und stellten Muskelkontraktionen
an jeweils zuzuordnenden Muskelgruppen auf der anderen Körperseite
fest.
Weitere Forschungen: durch Ferrier, danach Leyton und Sherrington
Dieser Bereich wird „Brodman Area 4" oder primärer
motorischer Cortex genannt
Dies hatte enorme klinische Relevanz, weil damit erklärt
werden konnte, warum
Läsionen bestimmter Hirnareale zu konkreten motorischen
Störungen führen.
- diese können durch Tumore, Narben oder andere Abnormitäten
in den entsprechenden Gehirnarealen verursacht
sein
2.2. Sherrington und später vor allem Wilder Penfield sowie Woolsey
erstellten eine Art „motorischen Plan" des Gehirns
>>>schematische Darstellung der Hirnareale und somatotopischer Repräsentationen S.610
2.3. Penfield & Woolsey entdeckten außerdem, daß
auch das Brodman Area 6, welches vor
dem primären motorischen Cortex liegt, motorische Effekte
hervorrufen kann.
- prämotorische Areale
2.3.1. Verbindung der neuronalen Axone prämotorischer Areale haben
Verbindungen
2.3.1.1. zum primären motorischen Cortex UND
2.3.1.2. zu subcortikalen Strukturen UND
2.3.1.3. zum Rückenmark
2.4. prämotorische Areale beim Menschen 6x größer
als bei anderen Primaten
2.5. Innerhalb der prämotorischen Areale unterscheidet man
2.5.1. das supplementäre motorische Areal
- Bewegungen sind komplexer und erfordern größere
Stimuli
2.5.2. das sekundäre motorische Areal
2.5.3. den prämotorischen Cortex
Stimulation des prämotorischen Areals führt zu koordinierten
Muskelkontraktioonen
an mehr als einem Punkt, und auch auf beiden seiten des Körpers
2.6. Motor Area Input wird beeinflußt durch Informationszufluß
2.6.1. aus der Peripherie
2.6.2. vom Cerebellum
2.6.3. aus den Basalganglien
2.6.4. außerdem vom sensorischen Cortex und von sensorischen
Assoziations-Areas
2.6.5. Corticospinale Neurone wirken auf spinale Motor Neurone
- dies erlaubt schnellere Verbindung zu den Muskel-Spindeln und
bessere sensorische
Detektion der Veränderungen in der Muskellänge bzw.
deren Verkürzung
- darüberhinaus wirken auch indirekte corticospinale neuronale
Verbindungen
>>>> Abbildung 40-4 S.613
2.7. Neurone im primären motoriuschen Cortex codieren die Richtung
der ausgeübten Kraft
2.7.1. kleine Muskelgruppen werden jeweils von bestimmten corticospinalesn
Neuronen gesteuert
- Forschung v. Hiroshi Asanuma (60er Jahre)
2.7.2. Neurone im primären motoriuschen Cortex codieren die Stärke
der ausgeübten Kraft
- Edward Evarts fand heraus, daß bestimmte neuronale Strukturen
während einer Bewegung
(Muskelkontraktion) aktiv waren, und daß Aktivitätsmodulationen
typischerweise VOR der Kontraktion des betreffenden Muskels
stattfinden
2.7.3. Bewegungsrichtung wird von Neuronenpopulationen codiert
- Forschungen von Apostolos Georgopoulos
- Affen mit Handlungssteuerungsaufgaben
- Aktivität der feuernden neuronen abhängig von der
Zielrichtung der Handlung
- Bewegung wird nicht von einem Neuron sondern von einer ganzen
Population gesteuert
- in der Bewegungserfassung hingegen sind kleinere Populationen
relevant
>>>> Abbildung 40-6 und 40.7 S, 615
>>>> Abbildung 40-8 S. 616 und 40-9 S. 617(Vektordarstellung der Neuronenaktivität/Stern)
2.7.4. die neuronale Steuerung ist aufgabenabhängig
- Roger Lemon
- Affe hält Objekt zwischen Dauem und Zeigefinger aktiviert
Neurone, welche
inaktiv sind, wenn der Affe einen Stab aufnimm
- keine neuronale Aktivität derselben relevanten Neurone
z.B. bei Bewegung im
Zustand emotionaler Aufregung oder Ärger
- neuronale Verbände im Gesichtsarea , die während
eines „Beiß-Responses" aktiv sind, sind inaktiv während
normaler Kaubewegungen, was mehr automatisiert ist.
2.8. Motorische Neurone sind über die Konsequenzen von Bewegungen
informiert
2.8.1. Sensorischer Input hält die Neurone über die Bewegungskonsequenzen
informiert
- Neurone des motorischen Cortex haben rezeptive Felder in der
Peripherie
- aufgabenabhängig (taktil/ Bewegungsfeedback/ Muskelsteuerung)
2.8.1. Phillips nahm an, daß ein „Long-Loop-Feedback" es erlaubt,
die Bewegungsstärke nachzujustieren, wenn
eine unerwartete größere Kraft zur Handlungsausführung
erkannt wird
- Experimenmt von vVrnon Brooks:
- Affen hatten ein Gewicht zu bewegen, dessen Widerstand manipuliert
werden konnte
- sobald das Gewicht unerwarteterweise vergrößert
wurde, kam es zu einer enorm erhöhten Hirnaktivität,
die sich dann langsam verlängerte
- dies zeigt eine unmittelbare Reaktion auf die erhöhten
Kraftanforderungen
>>>> Abbildung 40-11 S. 618
2.9. Prämotorische Areale bereiten das motorische System auf die
Bewegung vor
- bei optimalen Bedingungen beträgt die Reaktionszeit auf
einen Stimulus 120-150 ms
- kürzeste Zeit: propriozeptive und auditive Stimuli
- längste Zeit: visuelle Stimuli ( wegen der zusätzlichen
retinalen Synapsen)
2.9.1. die Vorbereitungszeit auf eine Spontanbewegung beträgt
mehrere hundert ms
- steigt mit der antizipierten Komplexität und dem Präzisdionsgrad
der Aufgabe an
- steigt außerdem in Abhängigkeit von Wissen
um Stimulus und Aufgabe
- steigt linear mit der Anzahl an möglichen Reaktionen
(choice reation time)
2.9.2 Läsionen des prämotorischen Cortex, der supplementären
motorischen und posterioren parietalen Areas reduzieren die
Fähigkeit zu beabsichtigten Handlungen
- werden diese Bereiche geschädigt, werden komplexere Handlungssysteme
gestört, als wenn der primäre motorische Cortex
selbst geschädigt wird
- bei Läsionen des motorischen Cortex kommt es zu
Schwäche, während Läsionen der prämoto-
rischen Areas die Fähigkeit zur Entwicklung adäquater Bewegungshandlungsstrategien
reduzieren
- Affen „umgehen" Hindernisse zwischen sich und dem Futter nicht
mehr, sondern versuchen direkt auf das Futter zuzugreifen
- Apraxie - Unfähigkeit, komplexe Handlungssequenzen zu
koordinieren
- Haare kämmen, Zähneputzen etc.
2.9.3. Das supplementäre motorische Area programmiert motorische
Sequenzen und koordiniert bilaterale Bewegungen
- Bewegungen, die vom supplementären motorischen Area gesteuert
werden, brauchen intensivere und länger anhaltende Impulse.,
als solche aus dem primären motorischen Cortex
(Körperbewegungen, Handbewegungen)
- viele Bewegungen sind bilateral gesteuert, d.h. einmal direkt
vom supplementären motorischen Area zum Rückenmark, aber
auch durch indirekte Verbindungen zum motorischen Cortex.
- dies wurde dahingehend bestätigt, daß erhöhter
Blutdurchfluß bei tatsächlich durchgeführten
Handlungen in beiden Gehirnbereichen feststellbar war, während bei
einer rein mentalen Aktivität auch nur das supplementäre
motorische Area stärker durchblutet wurde.
- Läsionen dieser Bereiche führen zu erheblichen ablauforganisatorischen
und Koordinationsdefiziten
3. Der prämotorische Cortex kontrolliert die Annäherungsbewegungen
des Arms an ein Ziel
- der prämotorische Cortex erhält seinen Input vom
posterior parietalen Cortex
- von hier werden entsprechende Projektionen an relevante Hirnareale,
aber auch an das Rückenmark geleitet, welches proximale
und axiale Muskeln kontrolliert
- daher wird angenommen, daß der prämotorischre Cortex
eine primäre Rolle bei der Kontrolle und Ausführung
von Annäherungsbewegungen des Muskels spielt, aber auch in den
Initialisierungs- phasen der Körperausrichtung hinsichtlich
eines Zieles
- viele Neurone im prämotorischen Cortex feuern, wenn z.B.
ein Versuchstier eine Instruktion erhält, ein Objekt nach einem Hinweissignal
zu bewegen.
- diese Neurone bezeichnet man als „Set related" (set-bezogen)
um anzuzeigen, daß ihre Aktivität reflektiert, daß das
Tier sich vorbereitet, etwas zu tun.
3.1. Der posteriore parietale Lappen spielt eine wesentliche Rolle
für die Bereitstellung visueller Informationen hinsichtlich zielgerichteter
Bewegungen.
- der linke posterior parietale Cortex verarbeitet linguistische
Informationen
- der rechte ppc verarbeitet räumliche Daten
- Läsionen in diesen Bereichen führen zu Aufmerksamkeitsstörungen,
Betroffene übersehen oder vernachlässigen also
visuelle oder taktile Stimuli auf einer Körperseite
- Objekte im Raum können oft nicht erkannt werden
- komplexe Gegenstände in der Hand werden nicht erkannt
- Unfähigkeit, dreidimensionale Objekte zu zeichnen
- typischerweise wird entweder die eine oder andere contralaterale
Information nicht einbezogen (halbes Bild)
4. Zusammenfassend
- die motorischen Areale des cerebralen Cortex sind elektrisch
erregbar
- sie sind somatotopisch organisiert
- sie sind modular organisiert
- das feuern von individuellen cortikalen Neuronen codiert einfache
Bewegungs- Parameter, wie z.B. die aufzuwendende Kraft oder
den Wechsel einer ausgeübten Kraftmenge
- die Intensität der Codierung wird ständig von der
Peripherie durch Feedback geregelt
- prämotorische und parietale Assoziation führt zu
einer Transformation von Intention zu Aktion
- in diesen Bereichen resultiert neuronale Aktivität nicht
einfach aus äußeren Stimuli, sondern reflektiert die subjektiven
Intentionen
6.12.98 HS