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Reflexive Sozialpsychologie
Exzerpte einer Textauswahl zu Vordiplomprüfung
- Bedingungen sozialen Zusammenlebens als Ordnung innerhalb
biologischer Grundstrukturen
- Wirkungszusammenhänge in sozialen Kollektiven
- seelische Beeinflussung durch Vergesellschaftet sein
(Simmel 1908)
- Denken, Fühlen und Verhalten von Individuen unter
dem Einfluß tatsächlicher oder fiktiver Anderer
Sozialpsychologie fragt aus der Perspektive des Subjekts
- Norbert Elias kritisiert:
Der Mensch wird als Individuum von der Gesellschaft herausgetrennt
gedacht, als der in sich eingeschlossene Mensch, der aber dann doch wieder
zu dieser Gesellschaft in Beziehung gesetzt wird.
- Zusammenmontieren von "Wechselwirkungen", "Beeinflussung"
,"soziale Faktoren"
Der Mensch als homo clausus, umgeben von einer hohen
Mauer, von welcher herab geheimnisvolle Zwerge (die Umwelteinflüsse)
kleine Gummibälle nach dem Betreffenden werfen, die bei ihm "Eindrücke"
hinterlassen. (Elias 1972)
- Newcomb:
- grundlegende Gemeinschaftlichkeit des Individuums
Integration des Individuums in Kultur und Gesellschaft
Interaktionen bilden das Zentrum der Sozialpsychologie
Integration von Wünschen und Bedürfnissen in
ein System gesellschaftlicher Rollen und Normen
- Synchronisation von Mensch und Gesellschaft
Fromm
subjektive Phänomene, die Überwindung von Herrschaft,
Ausbeutung und Unterdrückung verhindern, obwohl bereits die objektiven
gesellschaftlichen Ressourcen dies möglich erscheinen lassen
-sozialpsycholgische Erscheinungen als Anpassung des
Triebapparates an die sozialökonomische Situation
- wieso unterwirft sich die Majorität der Minorität
- Opferstatus als "Gewinn", Anspruch auf Mitleid
Gehlen & Portmann
- Mensch als Mängelwesen
- 1.Lebensjahr als sozialer Uterus
- Einbindung des Menschen in Institutionen >>> geistige
Nähe zum Faschismus
Alexander Mitscherlich
- mangelnde individuell biographisch und kollektiv geförderten
kritischen Ich-Fähigkeiten sind die Bedingung für autoritäte
Unterwerfung
Homosexualität ist häufig das Resultat einer Erziehung mit einer sehr intensiven, aber kurzlebigen Fixierung an das Weib (Mutter), und wo ein starker Vater fehlt (>>durch die moderne Homosexualitätsforschung empirisch bestätigt)
frühkindliche Sexualität als autonome, konstitutionell verankerte Größe
neurotische Symptome knüpfen nicht an wirkliche Erlebnisse an, sondern an Wunschphantasien, für die Neurose bedeutet die psychische Realität mehr als die materielle
Trennung der Sexualität von der Genitalität
- kindliche Sexualität zeigt sich in allen Ausdrucksformen
der Lustbefriedigung, die nicht unter dem Diktat der Genitalität stehen
erogene Zonen: Lippen, Zunge, andere berührungsempfindliche
Stellen
PARTIALTRIEB: Trieb ist nicht primär auf andere
Personen/Objekte gerichtet, sondern ist autoerotisch orientiert
Sexualität des normalen Erwachsenen konstituiert
sich auf Grundlage der Partialtriebe
"normale" Sexualität ist die Art der Beherrschung
der Partialtriebe
Neurose basiert auf perversen Trieben der infantilen Anlage, und ist somit das "Negativ der Perversion"
Kultur ist nach Freud das Ergebnis individueller wie kollektiver
Anstrengung, den perversen Regungen des niemals völlig zu unterdrückenden
sexuellen Infantilismus durch Reaktionsbildung entgegenzutreten.
Ohne die Anomalie der Partialtriebe und ihrer Domestikation
keine Kultur: Ablenkung sexueller Triebkräfte von sexuellen Zielen
und Hinlenkung auf neue Ziele (Sublimierung)
Die von der Gesellschaft geforderte
voreheliche sexuelle Abstinenz führt nicht zu mehr Kulturarbeit, sondern
bei vielen Menschen zu nervösen Störungen, zu Impotenz und Frigidität.
Im allgemeinen - so Freud - habe ich nicht den Eindruck gewonnen, daß
die sexuelle Abstinenz energische, selbständige Männer der Tat
oder originelle Denker, kühne Befreier und Reformer heranbilden helfe,
weit häufiger brave Schwächlinge, welche später in der großen
Masse eintauchen.
Und was die Frauen betreffe, ist
die unzweifelhafte Tatsache ihrer intellektuellen Inferiorität nicht
der Ausdruck eines physiologischen Schwachsinnes des Weibes, sondern vielmehr
Resultat einer Denkhemmung, die auf sexuelle Repression zurückzuführen
sei.
Psychoanalyse rührt am Tabu des Todes
- das menschliche Unbewußte glaubt nicht an den
Tod, es gebärdet sich wie unsterblich
- das Unbewußte, die tiefste aus Triebregungen
bestehenden Schicht unserer Seele, kennt nichts Negatives, keine Verneinung
- das Verbot des Mordens zeigt, wie stark dieser Trieb
ist, daß dieses Verbot sogar explizit ausgesprochen werden muß
- der Krieg bringt es an den Tag: das Individuum, darf
ungestraft seinen dunkelsten Triebimpulsen nachgeben und den Fremden bzw.
den Feind ohne Reuegfühle vernichten
- so "gewinnt" das Leben seinen vollen Inhalt zurück,
es wird wieder interessant
- als furchtbarste Kränkung menschlicher Eigenliebe
sieht Freud, daß wir den Tod nahestehender, geliebter Menschen nicht
ambivalenzfrei erleben können. Eine geliebte Person ist einerseits
innerer Teil von uns (damit unsterblich), andererseits ist sie Nicht-Ich,
darf also nach der Logik des Unbewußten vernichtet werden
Weiterentwicklungen und Anwendungen
- Beherrschung des Feuers setzt Selbstbeherrschung des
Menschen voraus und ist gleichzeitig Anlaß zur Weiterentwicklung
dieser Selbstbeherrschung.
- Herrschaft über das Feuer konnte nur durch einen
sozialen Prozess erlangt werden
- Liberalisierung bestimmter Verhaltensformen in unsere
Gesellschaft (Sexualität)
- Informalisierungsprozesse bleiben im Rahmen eines bestimmten
zivilisierten Standards
- nur, wenn die entsprechenden Selbstkontrollmechanismen
schon fest in der psychischen Struktur der Individuen verankert sind, kann
es sich die Gesellschaft leisten, partielle Gegenbewegungen zuzulassen
- dies widerspricht nicht dem Prozess der Zivilisation,
sondern setzt ihn voraus
- Informalisierung ist nur vereinbar mit einem Trend
zu stärkerer Selbstkontrolle
- werden von außen auferlegte Kontrollen
schwächer, reagieren Menschen mit einer Verstärkung der Selbstkontrollstruktur,
denn normativen Halt und soziale Orientierung
müssen sie nun selbst produzieren
- Elias beschäftigt sich nicht weiter mit der Rolle der Religion
- er streift auch nur das Bürgertum, weist aber darauf
hin, daß die Selbstzwangapparatur des Bürgertums, die durch
die Berufsarbeit bedingt wird, in mancher Hinsicht rigider ist, als die
der höfischen Aristokratie
- Gewalt : niemals gelangt der Heranwachsende zu einer
Regelung seines Verhaltens ohne die Erzeugung von Angst durch andere Menschen.
Hans-Peter Duerrs Elias-Kritik
- Duerr wendet sich gegen Elias´ evolutionistische
Grundannahme eines historischen Prozesses der Zivilisation
- er meint, die von Elias beschriebene linear-evolutionäre
Veränderung des Affekthaushaltes ist nicht haltbar
- ideologiekritisch meint Duerr, daß eine Wertung
nicht zulässig sei : auch im Mittelalter habe es bereits entsprechende
Verhaltensweisen gegeben und auch Naturvölker haben hochdifferenzierte
Verhaltenstandards und Affektregulierungen
- es gibt keine absolute höhere oder niedrigere
Stufe der Zivilisation, sondern lediglich eine andere Art und Weise, zivilisiert
zu sein.
- die zweite Kritik Duerrs ist die empirische: er führt
diverse Beispiele sehr wohl vorhandener Verhaltensvorschriften an, jedoch
relativiert dies nur Elias Aussagen in quantitativer Form
Elias sieht in der zunehmenden Komplexität und Vernetzung
sozialer Beziehungen die Grundlage für die Erhöhung der Scham-und
Peinlichkeitsbarrieren.
- steigende Anonymität und damit schwächere
soziale Kontrolle
- dies führt zu einer Umkehrung von Fremd- und Selbstzwängen
Ergebnis des Vergleichs
1. Es gibt und gab keine unzivilisierten menschlichen
Gesellschaften
2. Abgesehen von einigen transkulturellen Konstanten
(Körperscham), hat jede Gesellschaft ihr eigenes, spezifisches Muster
zivilisierten Fühlens und Verhaltens
3. Es ist nicht möglich, die Zivilisationstheorie
auf außereuropäische Gesellschaften zu übertragen
- tut man es dennoch, muß man
sich den Vorwurf des Ethnozentrismus gefallen lassen
4. Innerhalb gegebener Gesellschaften lassen sich Veränderungen
zivilisatorischer Standards über die Zeit beobachten
5. in den abendländischen Gesellschaften hat sich
der von Elias beschriebene Zivilisationsprozess vollzogen; in diesen Gesellschaften
ist er eine Funktion des Staatenbildungsprozesses und der Arbeitsteilung
6. Elias überschätzt das Ausmaß der eingetretenen
Veränderungen ebenso, wie er die im Mittelalter schon herrschenden
Verhaltens- und Affektmodelle unterschätzt
- Hexenverfolgung nicht etwa im Mittelalter, sondern bis
ins Jahr 1775
- in dieser Zeit ist der von Elias beschriebene Zivilisationsprozess
bereits weit fortgeschritten
- möglicherweise keine homogene Zivilisationsentwicklung
- verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Zivilisationskurven
- auch die staatlich organisierte Ermordung von 6 Mio
Juden mitten im 20.Jhdt. bleibt unbeantwortet
- Stephen Menell meint, die Affektneutralität verbunden
mit einem hohen Grad an effizienter, zweckrationaler Bürokratisierung
wie diese für "hochzivilisierte Gesellschaften"
typisch sind, habe die systematische Massenvernichtung möglich gemacht
Elias behauptet von sich keine WERTUNG der Zivilisation,
sondern es gehe ihm um eine Beschreibung des historischen Fortschritts,
um Entwicklung im Sinne von gerichteter Veränderung
Unterschwellig wird aber immer wieder eine positive Wertung
von (eurozentrierter) Zivilisation deutlich.
Letztendlich gibt er einem Optimismus auf Entstehen eines
"optimalen Gleichgewichts" in der Seele des Menschen Ausdruck.
Dies steht aber im inneren Widerspruch zur Logik der
gesamten Theorie.
- Zivilisationsprozess wird als unumkehrbar beschrieben
- fortschreitender Prozess mit immer weitergehender Machtmonopolisierung
- dadurch werden Fremdzwänge stärker und in
der Folge Selbstzwänge
- der Theorie angemessener erscheint ein Divergieren
zwischen den individuellen Triebbedürfnissen und gesellschaftlich
zugelassener Formen ihrer Befriedigung
- weitere Monopolisierung staatlicher Gewalt mit weitreichenderen
sozialen Beziehungen
- Kostenseite: Verzicht des Individuums auf unmittelbare
Triebbefriedigung (oder Substituierung? d.Verf)
Zivilisationstheorie und Sozialpsychologie
- Elias beschreibt die historische Entwicklung des Menschen,
ohne diesen nach seinen Gefühlen befragen zu können
- es wird nur grundsätzlich nachgewiesen, daß
sich der Mensch verändert hat, der Nachweis des "wie" bleibt offen
- die Veränderung individueller Erlebnis- und Verhaltensweisen
ist Ergebnis gesellschaftl. Veränderungen und kein Zufall
Homo Clausus
- jeder erlebt sich als Monade (Trennung von anderen
durch unsichtbare Schamschwellen, Peinlichkeitsgrenzen)
- Figuration: Gruppen, Familien, Gesellschaften bestehen
aus Menschen, die miteinander in bestimmen Beziehungen stehen
- damit wird eine abstrakte Gegenüberstellung von
Individuum und Gesellschaft vermieden, stattdessen Reflexion
- Entfremdung: Hegel/Marx: die Gesellschaft als gemeinsames
Produkt von Individuen tritt jedem seiner Mitglieder als fremde Macht entgegen,
die - wiewohl von Menschen gemacht - nach eigenen Gesetzen funktioniert
und sich so dem planenden Zugriff des Einzelnen entzieht
- Figuration ist - wie ein Tanz - ein Prozess zwischen
Individuen und Gesellschaft
- Ängste sind heute weniger auf Gefahren durch den
Mitmenschen als vielmehr auf den Gebrauch technischer Maschinerien
bezogen , dies ist Folge der fortgeschrittenen
Gewaltmonopolisierung beim Staat
- Gewalt ist aus dem unmittelbaren Blickfeld isoliert:
Schlachten von Tieren, Krankheiten durch Isolieren von Kranken inHospitälern,
usw.
- Marx, Freud und Weber haben auf ihre Weise den gleichen
Entwicklungsprozess analysiert, wie Elias, er bezieht den
zivilisatorischen Prozess jedoch auf die Körperlichkeit.
- man muß also von einer komplexen Funktionsverflechtung
ausgehen
- Prinzip der geschichteten Diffusion (Peter Willmott
& Michael Young/ The Symmetrical Family)
- Marschkolonnenbeispiel - vorne bestimmt die Richtung
- die Hinteren kommen auch irgendwann an den Punkt, aber nie gleichzeitig
mit den Ersten
- außer sie brechen aus der Marschkolone aus
- da sich die ganze Kolonne bewegt, können Sie auf ein Vorwärtskommen
rechnen, um früher
oder später einen bestimmten Punkt zu erreichen
- Verzögerte Gleichheit
- dieses Prinzip funktioniert offensichtlich auch in
den letzten 150 Jahren und vermutlich noch weiter
- trotz regionaler Unterschiede gibt es relativ feste
für Mittel- bzw. Unterschichten charakteristische Sozilisationsmuster
- zwei große Schichten in unserer Gesellschaft
- Mittelschichten erziehen durch temporären
Liebes/Zuwendungsentzug
- Unterschichten verfügen über
einen restringenten Sprachcode
- dieser fördert
eher Tatsachenfeststellungen als Erklärungen
- wichtigste
Sanktion ist körperliche Züchtigung
Zusammenfassend:
- neue Phase im Prozess der westlichen Zivilisationen
mit ihrer Körperlichkeit
- diese ist durch eine reflexive Einstellung zur Natur
gekennzeichnet
- neue Therapieformen haben die doppelte Aufgabe einer
Lockerung verinnerlichter und obsolet gewordener Selbstkontrollen
sowie
- Ausrichtung objektlos ausgelebter Sinnlichkeit an die
gesellschaftliche Lebenspraxis
Zum Verständnis ist gegenseitige Rollenübernahme notwendig
- Welt ist zusammengesetzt aus Objekten
- physikalische (irgendwelche Gegenstände)
- soziale (Beziehungen zu Personen)
- abstrakte (moralische Prinzipien,
Lehrmeinungen)
- ein Objekt kann für verschiedene Personen auch
unterschiedliche Bedeutungen haben
- Baum für einen Holzfäller, Botaniker,
Dichter, etc.
- gemeinsame Objekte: werden mit derselben Bedeutung
von einer gegebenen Gruppe gesehen
- will man das Handeln von Menschen verstehen, muß
man auch ihre Welt von Objekten verstehen
- Objekte werden geschaffen, bestätigt, umgeformt
und verworfen
- das Leben und Handeln des Menschen wandelt sich in
Übereinstimmung mit Wandlungen ihrer Objektwelt
- der Mensch
- hat ein "Selbst" und kann Gegenstand seiner eigenen
Handlung sein
- handelt auf der Grundlage, wie er sich selbst sieht
(arm, reich, gutaussehend, jung, alt, beruflich usw.)
- das "Selbst-Objekt" entwickelt sich ebenfalls in einem
Prozess sozialer Interaktion, indem andere Personen jemandem die eigene
Person definieren
- Rollenübernahme als Beobachtung der eigenen Person
- Hineinversetzen in andere Positionen (Spielen) und
aus dieser Position heraus Selbstbetrachtung
Symbolischer Interaktionismus versteht den Menschen als aktiv handelnden Organismus, der auf der Grundlage dessen, was er in Betracht zieht, eine Handlungslinie ausformen muß, anstatt nur eine Reaktion auf das Einwirkung einiger Faktoren auf seine Organisation freizusetzen
- gemeinsames Handeln ist eine Verkettung einzelner Handlungen
der Teilnehmer
- es besteht ein festes Verständnis darüber,
wie man selbst handelt, und wie andere handeln werden
Fünf Formen des Androzentrismus
1. Subjekt der Psychologie ist der weiße euro-amerikanische
Mittelschicht Mann als Wunsch-Ebenbild für den "Menschen"
- frauenrelevante Themen wie Ungleichkeit, Dominanz,
Herrschaft im Geschlechterverhältnis, werden vermieden
- keine Berücksichtigung des geschlechtsspezifisch
unterschiedlicher Situationen/Erlebensumwelten
2. Forschungsergebnisse (aus dieser Sicht) werden
als allgemein menschlich dargestellt, universalisiert
- biologische Erklärung von Frauen, bei Männern
wird biologisch-empirisch nur die Aggressivität erklärt
- Verschleierung des Ausschlusses der Frauen durch neutrale
Aussagen
- abstrakte Gleichheit des "Menschen" verdeckt die Verschiedenheit
3. Geschlechtsrollen-Stereotype werden beibehalten
4. abstrahierter Individuumsbegriff
5. Fixierung auf methodisch-quantitativ rigoros kontrollierte
Untersuchungen
- weiche, interpretative Untersuchungen werden als subjektiv
abgewertet
Bulimie: Eß-Brechsucht
- überwiegend Frauen betroffen
- Bulimie als Folge der Informalisierung von Eßgewohnheiten
(entspr. Zivilisationstheorie v.Elias)
- die präsentierte Schicht des Körpers ist
bis auf die Haut zurückgenommen
- Etikette und sexuelle Repression als frühe Kontrollformen
sind ersetzt durch Schlankheitsnormen
- Fitnessbestrebungen als Individualisierungsprozesse,
also der Herauslösung der Einzelnen aus vorgegebenen sozialen Bezügen
- Darstellung des selbstbearbeiteten Körpers läßt
soziale Anerkennung, Erfolg und Glück erwarten
- in der individualisierten Gesellschaft muß sich
jeder auf dem Markt der sozialen Beziehungen darstellen, und Job, Partner,
Freunde zu erlangen
- Werbung benutzt den schlanken Körper als Glücks-
und Erfolgsversprechen
- der schlanke Körper ist Konsumkörper, aber
auch autonom und selbstkontrolliert
- runde, fleischige Frauenkörper werden mit Faulheit,
Undiszipliniertheit assoziiert
- mit Elias: der äußere Zwang (Korsett) hat
sich verinnerlicht, ist zum Selbstzwang geworden
- Aussehen als Repräsentation der sozialen Identität
- Körperbearbeitung wird als Mittel zur Lösung
aller Probleme mißverstanden
- psychoanalytisch gesehen richtet sich weibliche Abwehr
nach innen, Männer externalisieren (Sport, Arbeitssucht, Gewalt) eher
- frühere sexuelle Verklemmung ist heutiger Lust
und Spaß an der Sexualität gewichen - ein neuer Leistungsdruck
(Sex MUSS Spaß machen)
- widersprüchliche Darstellung der Frau in den Medien
- einerseits Hausfrau und Mutter
ODER attraktiv, jung, unabhängig : eine Doppelbotschaft
- keine Frau kann diese Vielzahl an widersprüchlichen
Anforderungen erfüllen
- daraus entwickelt sich ein Superfrauen-Anforderungsprofil,
dem eigene Bedürfnisse zum Opfer fallen
- Bulimikerinnen stammen meist aus leistungsorientierten,
ehrgeizigen Mittelschichtfamilien
- Einstieg in die Bulimie durch heißhungriges Essen
als Substituierung der Sorge um eigene Bedürfnisse (Füllen innerer
Leere)
- Erbrechen als Reinigung und Gewichtskontrolle
- dies kann sich konstituieren und immer weitere Energie
binden
- Heißhungeranfälle bei Auftreten unangenehmer
Gefühle
Entwicklungsstadien der Bulimarexie
1.Phase
| Bemühen um bessere Figur
Abmagerungskuren, Diäten kontrolliertes Essen erste Heißhungeranfälle Freßtage schleichen sich ein |
sehr kontrolliertes Eßverhalten
Essen aus übermächtigem Hunger 1.Erbrechen |
unbelastetes Praktizieren |
| 2.Phase | Einschliffprozess, Verdrängung,Verleugnung | |
| verbissenere Abmagerungsversuche
Kontrollversuche beim Hungern regelmäßig auftretende Freßanfälle
|
strenge Askese
Erbrechen als Ausweg
Abführmittel, Entwässerungsmittel
|
Verdrängung und Ignoranz aufsteigender Perversions-Gefühle
Verleugnung des Verhaltens vor sich selbst und anderen |
| 3.Phase | ||
| ständiger Wechsel zwischen Zügellosigkeit und
Enthaltsamkeit
dramatische Freßdurchbrüche vs. extrem asketisches Verhalten Gefahr des Umsteigens auf (andere) Drogen |
reinste Hunger Phasen
fressen um zu erbrechen
|
Erkennen und Verzweifeln
Ausbruchversuche/Outing zunehmende Depression |
Situation/Krise angemessen unangemessen
| Vertrauen | Mißtrauen | Stabiles Sicherheitsbewußtsein | Unsicherheit,Angst |
| Autonomie | Selbstzweifel | Körperbeherrschung und Verursachererkenntnis | Zweifal an eigenen Fähigkeiten zur Kontrolle |
| Initiative | Schuld | Eigeninitiative & Kreativität | Selbstwertmangel |
| Kompetenz | Minderwertigkeit | Sozial-& Intellektualitätskompetenz | Versagensängste |
| Identität | Rollendiffusion | Selbstvertrauen | schwankendes Selbstbewußtsein |
| Intimität | Isolierung | Bindungsfähigkeit/Nähe | Einsamkeit |
| Generativität | Stagnation | Familie, Zukunftsplanung | Selbstbezogenheit, wenig Zukunftsorientierung |
| Ich-Integrität | Verzweiflung | Ganzheitsgefühl, Lebenszufriedenheit | Vergeblichkeit, Enttäuschung |
- Schnittstelle von persönlichen Entwürfen und
sozialer Zuschreibungen
- Säugling braucht in der oralen Phase eine ungestörte
Einheit mit der Mutter (Urvertrauen)
- Herauslösung aus dieser Einheit durch Entwicklung
des Selbst des Kindes als Folge desselben (anale Phase)
- gelingt dies nicht, kann es zu einer Identitätsentwicklungsstörung
kommen (Scham, Zweifel, Rückzug)
- zwar bildet sich durch neue Anforderungen ständig
die Identität weiter, Erikson schreibt jedoch die Identitätsfindung
der Adoleszenz zu
- epigenische Theorie: Fortbildung von Können auf
der Grundlage des Vorangegegangenen
- Erikson beschreibt die Identitätsfindung als normative
Krise
- mit der "zweiten, der sozialen Geburt" (kein Erikson-Terminus!)
beginnt das Leben auf Basis erkannter eigener Begabungen und dem Wissen
um soziale Anerkennung
- nicht die Krise ist Kriterium der Identitätsbildung,
sondern die Auseinandersetzung mit der Entwicklungsaufgabe
- Identitäts-Diffusion: Zersplitterung des Selbstbildes
- ständig neue "Mode" als Suche nach neuen Identitätsattributen,
um den anderen ein Stück voraus zu sein (auffällige
Mode)
- Keupp: bunte Zusammenstellung von Identitätsmerkmalen
als Patchwork-Identität
- aber:Identität ist nicht gleich individuelle Originalität
- Die Frage nach der eigenen Identität ist unausweichlich
egozentriert
- Bildung einer Ich-Identität innerhalb sozialer
Realität
- Gilligan: weibliche Identitätsfindung sehr unterschiedlich
zu männl.
- interdependente Beziehungen werden von Erikson nicht
berücksichtigt
- Jungen formuliern ihre Identität durch Trennung
und Unabhängigkeit
- Mädchen trennen sich nicht, sondern gestalten
ihre Beziehungsgeflechte um
- George Herbert Mead: Jeder kann sich nur mit den Augen
der anderen sehen
- stufenweise Erweiterung des Sozialisationskreises
- Identität als Reflexionsfähigkeit der Erwartungen
anderer
- Identität wird familien-, berufs- und milieuspezifisch
ausgelegt
- dynamischer Prozerss innerhalb einer sich wandelnden
Gesellschaft
- Lebenssinnkonstruktion innerhalb des Wertewandelkontextes
- Robert Kegan´s konstruktivistische Theorie der
Entwicklung des Selbst
- das imperiale Selbst folgt dem impulsiven Selbst
- Kind hat nicht Impulse, sonder IST Impulse, und versucht
diese gegen die Umwelt durchzusetzen (kontrolliert,beherrscht,strategisch
vorgehen)
- alle Phasen der Entwicklung bilden Identität aus
- Jugendliche aus dem - nichtrassistischen - Norden der
USA vertrat nach Umzug in den Süden eine rassistische Position
- Kraft zur Selbstbestimmung aus der Einbettung
in Rollen und Institutionen
- man ist zwar autonom, braucht aber einander doch (Arbeit,
Liebesbeziehung)
| Erikson
(Phase/Krise) |
Initiative/Kompetenz | Zugehörigkeit | Identität | Intimität |
| Kegan
(Gleichgewicht) |
Imperial
unidirektional |
Interpersonal
wechselseitig |
Institutionell
umfassende Sozialwelt |
Überindividuell
Autonomieanerkennung |
| Kohlberg
(konventionelle Moral) |
instrumenteller Austausch | persönliche Übereinstimmungs-
synchronisation |
Sozialsystem | universelle
Prinzipien |
Netzwerkforschung
- urbane Lebensformen (Single) sind nicht aus sich heraus
isolationsfördernder, als "ländliche"
- Städter haben mehr und verschiedenartigere
Kontakte
- urbane Netzwerke sind räumlich weiter gefasst,
sind strukturell offen und lose verknüpft
- ländlich: lokal dicht verbunden Solidargemeinschaft/Nachbarschaft
- im Gegensatz zu traditionellen Beziehungsmustern (Familie/Verwandschaft/Nachbarn)
bildet der Städter eigene Netzwerke
- Wahlfreiheit hinsichtlich der Kontaktrichtung
- interindividuell subjektiv unterschiedliche, bedürfnisbezogene
Veränderungen der urbanen Netzwerkbildung
- keine Erosion alltäglicher Hilfeleistungen
- bei schwerwiegenden Problemen Hilfesuche im
engeren Verwandtschaftskreis
- da diese meist in der Großstadt nicht
vorliegt, wird auf Institutionen zurückgegriffen
- je höher der sozio-ökonomische Status, desto
mehr Ressourcen stehen für aktive Beziehungsarbeit zur Verfügung
- umso höher die Ausweitung des Beziehungsrahmens
- die Zerstörung gewachsener Sozialstrukturen
bringt also für sozial benachteiligte Personen Verlust an Gemeinschaft
und Solidarität!
- trotz multipler Netzwerke subjektives Gemeinschaftsverlustgefühl
-keine hohe Integrationskraft innerhalb der Gruppen
- hohe Selbstbestimmung und Chancenvielfalt bedingt
Orientierungsverlust
- Prägung durch normative Regulatorien
- höhere Reichweite der Sozialbeziehungen
- je höher die Bildung
- je höher das Einkommen
- mit zunehmendem Alter werden die Netzwerke kleiner,
die soziale Unterstützung wird weniger verläßlich
- Tendenz für Männer stärker als für
Frauen
- Kinder schränken soziale Vernetzung von
Frauen ein, dafür haben diese mehr Verwandtschaftskontakte und vertrauensvollere
soziale
Beziehungen
- ökonomische Ressourcen bestimmen die Ausgestaltung
der Netzwerkkonfigrationen und deren Größe und Beständigkeit
Patchwork-Identität
- Erikson´s Identitätskonzept aufgrund veränderter
gesellschaftlicher Basis obsolet?
- Identitätsbildung bei Nichterreichen bestimmter
sozialer Rahmenbedingungen (Arbeitsstelle, Ausbildung,keine kleinfamiliäre
Basis etc)
- Mead: lebenslanger, nie endender Prozess der Identitätsarbeit
- außengeleiteter Mensch , der auf Erwartungen,
Veränderungen und Möglichkeiten flexibel reagiert und seine Identität
anpasst
- Robert Lifton( 1986): proteischer Mensch: kann jede
Gestalt annehmen außer seiner eigenen (griechische Mythologie)
- nicht festlegen
- psychologische Umschichtungen
- Schuldgefühle wegen der eigenen Wurzellosigkeit
- Theorie der Bastel-Identität: Mensch als
Produzent individueller Lebens-Collagen
- proteisches Chamäleon
- Patchwork-Identität - beinhaltet kreativen Prozess
der Lebensinhaltsgestaltung
- Lebensverständnis nicht als dauerhafter
olympischer Wettbewerb, in welchem andere als zu besiegende Konkurrenten
wahrgenommen
werden
Sampson: alternatives Welt- und Persönlichkeitsmodell
"soziozentrisches Modell"
- Patchwork-Identity als Erosionsprozess zentral gesteuerter
Ordnungsmuster
- dezentralisierte Identität
- Ordnung und Kohärenz
- wird erreicht durch den sich
vollziehenden Ablauf der Dinge
- nicht abgegrenztes Personensystem
- dezentralisierte, ungleichgewichtige
Struktur